Ich klicke das gelbe Entenküken im Dock. Cyberduck nutze ich seit 2003 um Dateien auf Webserver zu bringen. Manchmal ist es doch ganz einfach. FTP und HTML. Mit freundlichen Grüßen aus einer Zeit, in der Webseiten ohne Build-Script entstanden sind.
Die letzten beiden Jahre hatte ich die einfachste Webseite, die man sich vorstellen kann. Eine einzige Datei. Keine Versionskontrolle. Kein Framework. Einfach öffnen, Text ändern, hochladen, fertig.
Die Webseite sah aus wie Markdown-Text in meinem Lieblings-Editor iA Writer. Nerdy. Roh. Die Inhalte waren persönlich, aber sicher nicht optimal für Menschen, die mich so gar nicht kennen und etwas brauchen, was ich anbiete.
(Einige haben dennoch mutig angerufen und es sind tolle Projekte entstanden.)
Dennoch erlaube ich mir dieses Augenzwinkern. Text. Struktur. Keine Spielereien. Und ein Witz, den nur wenige verstehen. Die Umkehr von einer gängigen Transformation von Inhalten. Meine Website war in purem HTML geschrieben und wurde als Markdown dargestellt. Die semantische Auszeichnung (dies sei eine Überschrift, dies ein Aufzählungspunkt in einer Liste, die man in HTML durch Tags wie h1 oder ul und li vornimmt) wurde zurückgeführt auf die einfache zeichenbasierte Markdown-Form. Markdown – welch geniale Erfindung (besser: Entdeckung), die aus der Analyse von Kommunikation im frühen Internet hervorgeht. John Gruber nutzte für diese Sprache Syntax aus Texten in User Groups, damals, als E-Mail-Programme kein Fett und Kursiv kannten und Text nur in ASCII gesendet wurde. Wie haben die Menschen die Inhalte strukturiert? Durch Zeichen, wie ===== zur Unterstreichung von Inhalten und - Bindestriche als Aufzählungspunkte.
Nicht wie sonst üblich nutzte ich Markdown, um HTML zu erzeugen. Meine alte Webseite ließ handgeschriebenes HTML wie Markdown aussehen.
Jetzt habe ich die Webseite zum dritten Mal überarbeitet. Und auch diesmal greife ich das Konzept auf: Every decoding is another encoding.
Was wäre, wenn die Webseite selbst noch deutlicher zeigt, wie Information transformiert wird?
Von Markdown zu HTML. Zurück zu Markdown. In verschiedenen Ansichten. Jede Darstellung ist eine Transformation. Jede Dekodierung ist eine neue Kodierung.
Das ließ sich nicht mehr mit einer HTML-Datei lösen. Also: Lovable (ein AI-Tool zum Website-Bauen) und Cursor (ein Code-Editor mit AI) und etwas Vibe-Coding zwischen den Jahren. Ja klar habe ich Freude dabei.
Du kannst zwischen vier Ansichten wechseln:
- Reader → Die Webseite als Markdown-Reader, wie in den Jahren zuvor.
- Page → Die gleiche Seite, aber mehr oder weniger klassisch in der Gestaltung.
- Raw → Der Markdown-Quelltext. So wie ich ihn schreibe, bevor er zu HTML wird.
- Source → Link zu GitHub. Die echten Dateien, die die Webseite ausmachen.
Und wie 2024 und 2025 wird die Webseite als pures HTML ausgeliefert. Dein Browser braucht kein JavaScript, um sie zu lesen. Statisch, klassisch, zugänglich auch für Browser von vor 2000.
Diesmal kommen die Inhalte tatsächlich aus mehreren Markdown-Dateien und ja, diesmal gibt es einen Build-Prozess, der das HTML erzeugt.
Wenn JavaScript lädt, passiert etwas Besonderes: Es liest das HTML zurück in Markdown. Es rekonstruiert die Ursprungsform aus der dargestellten Form.
Normalerweise geht der Prozess nur in eine Richtung: Markdown → HTML → Browser. Hier geht er auch zurück: HTML → Markdown → verschiedene Darstellungen.
Das ist technisch interessant, oder anders formuliert: überkompliziert. Und gleichzeitig: Jede Darstellung ist eine Wahl. Jede Ansicht betont etwas anderes.
Every decoding is another encoding.
Technisch bin ich happy. Die Seite funktioniert. Sie macht, was sie soll. Und sie sieht aus wie 2024 und 2025 — und dennoch habe ich mich von der KI treiben lassen etwas mehr und anders über meine Arbeit zu erzählen.
Klingt sie noch nach mir?
Der Page-Modus braucht sicher eine andere visuelle Qualität. Wird 2026 das Jahr in dem ich mir eine eigene professionelle visuelle Identität leiste?
Ich suche ein Brand Design. Und ich suche Sparring für meine Positionierung.
Dann sicher ohne KI. Lovable und Cursor können Code schreiben, aber sie können keine gestalterische Kraft entwickeln, wenn es um Ton, Haltung, visuelle Identität geht.
Meine Webseite ist jetzt komplizierter gebaut, um nach wie vor etwas Einfaches zu zeigen: es gibt mich.
Ein Modus sieht aus wie vorher aber erzählt mich jetzt anders. Der Text ist ein Anfang. Der Page-Modus auch. Akzeptanz von Vorläufigkeit und gleichzeitig die Ambition was besser zu machen.
Das passt zu mir.
Ich arbeite dort, wo etwas beginnt.
Schau: michaelschieben.com